Publish/Subscribe in der menschlichen Kommunikation

Publish/Subscribe ist ein Konzept, das in der IT vor allem im Bereich von Messaging stark an Verbreitung gewonnen hat. Während traditionell IT-Systeme direkt miteinander kommunizieren (“Point-to-point”) bietet Publish/Subscribe mehr Flexibilität und Entkopplung. 

Was bedeutet das im Detail?

Es gibt IT-Systeme, die Informationen in die unendlichen Weiten des Cyber-Space publizieren. Und es gibt IT-Systeme, die sich für bestimmte Informationen interessieren und dies durch eine Subskription für Themenbereiche (“Topics”) kundtun. Dies ermöglicht ein sehr flexibles Matching, sowohl inhaltlich als auch zeitlich. Außerdem können verschiedenste Kommunikationstypologien abgebildet werden, also einer kommuniziert mit vielen (1:n), viele kommunizieren mit einem (n:1) und viele kommunizieren mit vielen (n:m). Für die IT funktioniert das aufgrund der stets wachsenden Datenflut offensichtlich besser als Point-to-point. Deswegen sind Messaging-Technologien wie Kafka, die besonders auf große Datenmengen und lose gekoppelte IT-Landschaften ausgerichtet sind, stark im Kommen.

Ist dies ein rein technisches Phänomen? 

Tatsächlich lassen sich auch ähnliche Tendenzen in der menschlichen Kommunikationen feststellen. Es reicht uns mittlerweile nicht, im klassischen Sinn eine einzige Informationsquelle zu konsumieren, sondern wir wollen nur zu unseren präferierten Lieblingsthemen und von einer Vielzahl von Informationsproduzenten bespielt werden. 

Wie unkompliziert wäre es auf die Erzählung einer älteren Dame über deren Krankheitsgeschichte einfach mit einem “Unsubscribe” reagieren zu können und sich stattdessen sich in einen Dialog von Weinexperten “subscriben” zu können. Und um wieviel mehr Wissen und Wichtigkeit können wir erlangen, indem wir gleichzeitig auf Facebook, Twitter, Instagramm, LinkedIn, E-mail, Whatsapp und sonstigen Chats präsent sind. Vorbei sind die Zeiten des “Inbox Zero” – Mantras, also dem Ziel am Ende des Arbeitstag die eigene Inbox immer leer zu kriegen. Informationen und Aufgaben werden mehr als vergänglicher Stream gesehen, zu dem man je nach Interesse, Laune und Zufall “subscribed” ist oder den man einfach vorbeifliessen lässt. Schafft das mehr Effizienz, mehr Selbstbestimmtheit, mehr Motivation?

Hierfür gibt es meiner Meinung kein klares Ja oder Nein. Es kommt auf den eigenen Charakter, das Arbeitsumfeld und das persönliche Ziel an, das man verfolgt. Dass die Datenflut uns alle manchmal erschlägt, ist ein Faktum. Dass die klassische serielle, point-to-point Informationsverarbeitung in vielen Fällen kein taugliches Mittel darstellt, ist ebenso ein Faktum. Dass man mit der modernen “Ich lese und sehe, auf was ich gerade Bock habe”-Mentalität so manches übersieht und damit Arbeitsabläufe in pures Chaos ausarten, kennen viele von uns auch aus dem privaten und beruflichen Alltag. 

Wie könnte also ein gesunder MIttelweg aussehen?

Es gehört zweifelsohne zu den heutigen digitalen Kompetenzen, mit einer weit größeren und von verschiedensten Kanälen auf uns einströmende Informationsflut vernünftig umzugehen. Das bezieht sich auf Sub-Kompetenzen wie:

  • schnelles Erfassen von Inhalten (“Querlesen”)
  • ein Gefühl dafür zu entwickeln, was vertrauenswürdig ist und was nicht (“zwischen den Zeilen lesen”) 
  • und auch abschätzen zu können, was einfach nur ablenkt oder uns sogar negativ beeinflusst (“Unsubscribe”). 

Diese Kompetenzen zu vermitteln bzw. zu erwerben entscheidet meiner Meinung nach zu großen Anteilen über den Wohlstand und Reifegrad einer Gesellschaft. Tatsächlich haben sich die Herausforderungen im Laufe der Zeit verschoben: 

Zu früherer Zeit war es schwierig, an Informationen zu kommen. Man musste in Bibliotheken pilgern, im Duden nachblättern, versuchen Experten an das Festnetz-Telefon zu bekommen. Heute geht es mehr darum, Informationsquellen zu sichten, kritisch einzuschätzen und eine reflektierte Essenz wiederzugeben. Das ist schwierig! Und benötigt vermutlich mehr mentale Energie als das Stöbern in Bibliotheken.

Deswegen ist ein weiterer Ratschlag, sich regelmäßig eine Pause von dem digitalen Informations-Tsunami zu gönnen. Es kann sehr wohltuend sein, den Fernseher aufzudrehen und auf dem ersten Fernsehkanal zu bleiben, der gerade eingestellt ist – unabhängig davon, ob man sich für den Film oder die Reportage interessiert. Es kann so entschleunigend sein, beim Spazierengehen einen vollständigen Erfahrungsbericht seiner Mutter vom letzten Einkauf beim Billa zu lauschen, in Ruhe ein Buch zu lesen oder einfach nur dem Vogelgezwitscher zu lauschen. Und spätestens eine Stunde vor dem Schlafengehen sollte im Gehirn ein statisches “unsubscribe -all” einprogrammiert sein.

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