Firmenfeiern als Training für das Unternehmensgehirn

Jeder kennt von uns sicherlich aus dem privaten und beruflichen Umfeld Situationen, wo Zusammenarbeit toll funktioniert hat. Das kann mit langjährigen Kollegen, aber auch mit einem bunt zusammengewürfelten Team mit anderen Personen sein, die man noch gar nicht kennt. 

So oder so, es fühlt sich bereits im Moment der Zusammenarbeit gut an. Und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass auch das Ergebnis der Zusammenarbeit erfreulich sein wird. Die große Frage ist, welche Kriterien eine gute Zusammenarbeit fördern oder hemmen.

Diese Frage führt in ein sehr weites Feld, man landet einerseits bei psychologischen Analysen über die Bedeutung unterschiedlicher Charakter-Typen (siehe auch 6 Denkhüte von de Bono). Ebenso gibt es spannende Ansätze, die besagen, dass insbesondere für kreative Prozesse ein bunter Mix von Vorerfahrung, Expertise, kulturellem Back-ground sehr hilfreich ist. Diese Diversifizität wird sogar auf den Level der Expertise ausgeweitet. D.h. die Zusammenarbeit von Experten (hoher Level der Expertise) und Laien (niedriger Level der Expertise) liefert nachweislich wertvolle Impulse für Innovation und Ganzheitlichkeit (Stichwort: Transdisziplinarität). 

Um diese Diversifizität im beruflichen Alltag zu ermöglichen, ist eine starke formelle und vor allem auch informelle Vernetzung essentiell. Vernetzung hilft einerseits bei der Erledigung der eigenen Arbeit (“den Horizont zu erweitern”), sie erleichtert aber auch die Zusammenstellung eines domänen-übergreifenden Teams. Man kann relevantes Wissen schneller lokalisieren, man findet schneller zusammen.

Als Beispiel: 

Wenn ich als Sales-Mitarbeiter beim Fussball spielen einen Kollegen aus der Rechtsabteilung kennenlerne und dann beim Bier danach Anekdoten aus dem Arbeitsleben austausche, dann hat das aus Firmen-Sicht zwei Vorteile:

  • Beim nächsten Kundengespräch erinnere ich mich an die Bedeutung von rechtlichen Aspekten (“Horizont erweitern”)
  • Sollte die Ausarbeitung eines komplexen Angebots gefordert sein, weiß ich sofort, wen ich fragen soll und bekomme vermutlich die rechtlichen Informationen schneller, freundlicher und zielgenauer (“Wissen lokalisieren”)

Diese Mechanismen sind Personal-Abteilungen gut vertraut. Es ist aber ein ewiger Kampf entsprechende Maßnahmen für eine soziale Vernetzung gegenüber der Geschäftsführung zu begründen und deren Effekt messbar zu machen. 

  • Wieviel beträgt der Return-on-Investment einer Weihnachtsfeier? 
  • Welche zusätzlichen Innovationen ermöglicht eine Kaffee-Ecke? 
  • Was trägt ein Ski-Wochenende zu den Unternehmensprofiten bei? 

Alles schwer zu eruieren und gerade in Krisenzeiten schwer mit KPIs zu untermauern.

Eine spannende Inspiration zu dieser Diskussion bietet ein Konzept, das ich vor einigen Jahren bei einem Workshop kennen lernen durfte: Life-Kinetik ist ein Trainingskonzept für das menschliche Gehirn. Das Spezielle daran ist, dass es nicht um das Erreichen eines bestimmten Zieles geht, sondern um die Fähigkeit des Lernens an sich. Und Lernen bedeutet nichts anderes, als das zusätzliche Vernetzen von Gehirn-Regionen.

Als kleiner Teaser ein Beispiel für eine derartige Übung: 

Stellt Euch zu zweit gegenüber auf. Eine Person wirft der anderen einen Ball zu und nennt entweder ein Obst oder ein Gemüse. Die andere Person hat die Aufgabe, den Ball mit der rechten Hand zu fangen, wenn es sich um ein Gemüse handelt und mit der linken Hand zu fangen, wenn es sich um ein Obst handelt. 

Ich war fasziniert, wieviel Spass die Übung selber macht und welche Freude man empfindet, wenn man es nach einer überraschend kurzen Zeit tatsächlich lernt. Im Gehirn hat man dadurch folgende Zentren neu bzw. besser vernetzt:

  • das Sehzentrum (Wann wird der Ball geworfen? Wohin wird der Ball geworfen?)
  • das Hörzentrum (Was hat das Gegenüber gesagt?
  • das kognitive Zentrum (Was ist ein Obst? Was ist ein Gemüse?)
  • das motorische Zentrum (Muss ich die rechte oder linke Hand aktivieren?)

Das regelmässige Einüben von diesen zentrums-übergreifenden Fähigkeiten steigert lt. diversen Studien u.a. die Konzentration, Gehirnleistung und Erholungsfähigkeit. Das Gehirn wird nicht größer, aber effektiver. Es hat nichts Neues gelernt, sondern nur bestehendes miteinander vernetzt.

Das passt auch zu der Natur von Innovationen: 

Die erfolgreichsten Innovationen unserer Zeit sind selten eine komplett neue Idee, sondern die neuartige Verbindung von bestehenden Konzepten. Was ist z.B. neu an Uber? Taxis gab es schon lange, ein Matching-Algorithmus wurde schon in vielen anderen Bereichen angewendet, ein Geo-Tracking kommt von anderen Firmen. Uber hat all dies gekonnt verbunden. 

Damit schließt sich der Kreis zum Firmen-Kontext. Maßnahmen zu sozialer Vernetzung in Unternehmen können als freudvolle Übungen zur Effektivitätssteigerung & Innovationsgewinnung von Unternehmen gesehen werden. Vielleicht kann diese Perspektive helfen, die Firmenführung von der Sinnhaftigkeit von Weihnachtsfeiern & Co zu überzeugen.

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